Was 2021 war, was 2022 kommt

Marco Kraft

Marco Kraft, Head of Sales Germany bei Riedel Communications im Interview FKTG:

2021 war erneut ein herausforderndes Jahr für die Branche, mit vielen Unbekannten. Was waren für Riedel die großen Meilensteine, besonders in Bezug auf Deutschland oder die Region DACH?

Marco Kraft: Ich denke, wir waren auch in dieser herausfordernden Zeit ein vertrauenswürdiger Partner für unsere Kunden, mit Innovationsfreudigkeit und einem breiten Portfolio, was wir nicht nur im Audio-, sondern auch im Videobereich bieten. Die Branche steht ja nicht nur durch Corona vor schwierigen Zeiten, auch der Fachkräftemangel ist ein großes Problem. Wir haben aber gezeigt, was wir können, sodass wir insgesamt doch recht gut durch die Krise gekommen sind, auch wenn einige Geschäftsbereiche Einschnitte hinnehmen mussten. Wir waren aber immer fair und offen in der Kommunikation, sowohl nach innen als auch nach außen, und das kommt bei den Leuten an.

Dennoch war es insgesamt natürlich alles andere als einfach. Was besonders gefehlt hat, war der persönliche Kontakt zu unseren Kunden, virtuell reicht es einfach nicht. Mein persönliches Highlight des Jahres war daher unsere Roadshow, die uns bis nach Athen geführt hat. Wir haben einen „Truck“ mit einigen Neuheiten aus unserem Portfolio ausgestattet, weil wir besonders das Thema Video stärker nach vorne bringen wollten, und sind damit zu den Leuten gefahren. Dabei gab es zunächst gar keine offiziellen Veranstaltungen, wir haben einfach Termine mit bestimmten Kundengruppen gemacht und sind losgefahren. Als wir gesehen haben, wie gut das bei den Kunden ankommt, haben wir für die Schweiz dann ganz offiziell die Roadshow gestartet.

 

Welche Trends haben sich im Bereich der mobilen Produktionstechnik in Deutschland diesem Jahr aus Deiner Sicht abgezeichnet, gab es dabei auch Überraschungen?

Überraschend war, dass sehr viel in innovative mobile Produktionseinheiten investiert wurde, dabei aber das Thema IP im Videobereich nicht die Hauptrolle spielte. Wir haben in der gesamten Zeit sehr viele Gespräche mit Produktionsfirmen und Ü-Wagen-Betreibern geführt, die alle vor ganz praktischen Problemen stehen: Durch die Pandemie hat sich der Fachkräftemangel im Produktionsbereich exponentiell verschärft, da viele freie Mitarbeiter weggebrochen sind. Man muss daher das bestehende Know-how der Fachkräfte nutzen, Risiken genau abwägen. Da ist es nur logisch, dass oft nicht in IP investiert wird, sondern eher nach dem Motto „Aufbauen, Einstecken, läuft…“ gehandelt wird, gerade bei den großen Unternehmen. Es gibt aber auch feste IP-Installationen – in Sendern mit überschaubarer Größe und vielen jungen Leuten. IP wird noch etwas Zeit brauchen, um seine Stärken wie im Bereich der non-linearen Produktion auszuspielen.

Remote Production und "Green Production"


Riedel hat ja mit einem remote gesteuerten E-Rennwagen ein gemeinsames Projekt mit der DTM und Schäffler realisiert und damit wieder einmal Pionierarbeit geleistet und die Grenzen des Machbaren ausgelotet. Gibt es hier für die nächste Zeit schon Überlegungen, wie der Bereich Remote Production auch im Hinblick einer „Green Production“, also klimaschonender, weiter ausgebaut werden kann?

Umweltbewusstsein ist wichtig, das ist klar. Auch bei Riedel haben wir uns zum Ziel gesetzt, möglichst ressourcenschonend zu arbeiten – zum Beispiel setzen wir verstärkt auf E-Mobilität. Aber das Thema „Green Production“ als solches ist erstmal ein reines Buzzword. Klar ist, dass die Remote-Produktion aus Gründen der Zeit- und Kostenersparnis ein wichtiges Thema ist und bleibt. Dass dabei aufgrund des geringeren Personals vor Ort auch das Klima geschont wird, ist ein Nebenprodukt, aber nicht der Hauptgrund für die Kunden. Wie das aber in Zukunft mit den nächsten Generationen aussieht, lässt sich nicht sagen. Denn dort ist das umweltbewusste Denken noch viel stärker ausgeprägt.

Aber auch bei der Remote-Produktion muss man den Nutzen genau abwägen. Bei der Produktion der Bundesliga etwa macht eine komplette Remote-Produktion keinen Sinn, sondern nur die Auslagerung von bestimmten Bereichen. Generell kann man sagen, dass die Remote-Produktion nur sinnvoll ist, wenn die Fachkräfte dann mehrere Dinge gleichzeitig erledigen können, etwa im Bereich des technischen Supports, wenn mehrere Projekte gleichzeitig überwacht werden. Ein Regisseur aber muss sich voll auf seine Produktion konzentrieren, das kann er genauso gut vor Ort tun. Dafür braucht es keine Remote-Produktion.

Stichwort IP in der Medienproduktion: Wir haben beim Thüringer Mediensymposium in Erfurt gesehen, welche Herausforderungen bei der Umstellung auf IP-basierte Strukturen für die Medienunternehmen bestehen, aber auch wie inhomogen die Entwicklung verläuft. Ein wesentlicher Punkt hierbei ist auch der Fachkräftemangel. Wie können Technikdienstleister wie Riedel hier unterstützen?

Ich denke, man muss das Service-Konzept neu denken. Das Thema technischer Service ist ja bei vielen Menschen sehr negativ belegt. Vor allem am Wochenende, wenn dann im Rahmen der üblichen Standard-SLA-Agreements nur First Level Support zur Verfügung steht.

Das wollen wir bei Riedel mit unserem ROC-Konzept aufbrechen. Unser ROC (Remote Operations Center) in Wuppertal ist eine Kommunikationszentrale, aus der wir ein breites Portfolio an Remote Services anbieten können, die weit über herkömmlichen „Remote Support“ hinausgehen. Sie ermöglicht es uns, aus der Ferne Video-, Audio- und Datenströme zu monitoren, Systemparameter zu verändern oder Equipment zu steuern. Diesen quasi zentralen Brainpool möchten wir künftig unseren Kunden noch stärker zur Verfügung stellen, sodass sie sich zum Beispiel zentral von Wuppertal aus mit dem Nutzen neuer Technik, etwa der Arbeit mit Cloud-Services oder der Einbindung von IP-Konnektivität, auseinandersetzen können. Wir können so auch temporär externe Mitarbeiter hinzunehmen, die sich dann mit diesen neuen Technologien auseinandersetzen und hinzulernen können. Helfen im laufenden Betrieb heißt die Devise. Über das ROC als Brainpool können Unternehmen dann die Risiken, welche die Einführung neuer Technik mit sich bringt, abpuffern. So werden wir zum pro-aktiven Begleiter des Kunden und unterstützen ihn beim optimalen Einsatz der Produkte.

Produktion großer Live Events


Gerade im Moment sieht es speziell hinsichtlich der Produktion großer Live Events hierzulande wieder einmal recht ungewiss aus. Wie krisensicher ist die Branche in Deutschland aktuell aus produktionstechnischer Sicht aufgestellt? Wo liegen die Stärken, an welchen Punkten muss noch gearbeitet werden?

Unsere Branche ist aus meiner Sicht wesentlich stabiler aufgestellt als etwa die amerikanische TV-Branche. Unsere gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender sind ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Auch die großen Sportproduktionen liefen gut. Das hat die Branche in Deutschland 2020/21 sehr gut durch die Corona-Krise gebracht.

Ich denke, man muss die Frage weiter oben aufhängen. Etwa: Brauchen wir so großformatige Messen wie die IBC eigentlich noch? Wo machen hybride oder Online-Veranstaltungen Sinn?

Wir haben gerade in der Zeit der Pandemie gesehen, dass viele Leute der Online-Events müde werden. Wer einen achtstündigen Arbeitstag am Rechner hinter sich hat, möchte nicht noch abends eine Online-Messe besuchen. Außerdem fehlt online auch der direkte Kontakt.

Wichtiger werden daher künftig die regionalen oder lokalen Veranstaltungen, etwa die Hamburg Open. Auch die FKTG mit ihren Fachtagungen oder regionalen Mediensymposien ist für uns essentiell wichtig. Dort können dann auch kleinformatigere Themen besprochen werden, da viele Teilnehmer ähnliche Prozesse zu bewältigen haben.

Im Bereich Media & Entertainment geht ein Trend ja in Richtung Individualisierung und zu Nischenangeboten, die teils mit Prosumer-Geräten produziert werden. Viele Technik-Anbieter haben inzwischen speziell zugeschnittene Produktangebote im Portfolio. Was plant Riedel hierzu?

Kleinformate gibt es ja bereits zur Genüge, es sind eben andere Inhalte mit anderem Qualitätsstandard. Die Frage, die sich bei einer Produktion immer stellt, ist, wen will ich wie erreichen? Es gibt ja durchaus auch Produktionen für Facebook, Youtube oder weitere soziale Medien, die mit professionellen Produkten realisiert werden. Wir als Riedel stehen für professionelle, aber stark skalierbare Produkte. Beim Riedel-Equipment kann der Kunde auf virtuelle Panels, Cloudangebote und Apps zurückgreifen. Dennoch bleibt der Anspruch für uns, Equipment für Profis zu gestalten.

Welche Entwicklung erwartest Du für Riedel speziell für die Region DACH in 2022, auch im Hinblick auf die erweiterte Führungsstruktur und den erweiterten R&D Hub in Wien?

Insgesamt können wir uns besser fokussieren, wenn der Produktvertrieb eine separate Division wird. Das ist gerade für den globalen Ansatz wichtig, denn nicht jeder Markt braucht unsere Produkte aus dem Bereich Managed Technology. Durch die Trennung dieser Bereiche können wir schneller expandieren und unsere Wachstumsziele für EMEA und auch global leichter erreichen.

Wir hoffen sehr und sind zuversichtlich, dass auch 2022 wieder große Events stattfinden werden. Es ist sehr wichtig, die Wirtschaftszweige weiter am Laufen zu halten, speziell weil die Pandemie noch nicht überwunden ist. Ich vertraue hier aber auf die Politik und bin sicher, dass wir mit unseren Leistungen und Produkten unsere Branche gewinnbringend unterstützen können.

Wir haben ja für 2022 unter anderem zwei internationale Sport-Großevents auf dem Programm – und Investitionsbedarf gibt es immer, das haben wir auch im vergangenen Jahr gesehen. Was wir uns für dieses Jahr besonders auf die Fahnen geschrieben haben, ist der Aufbau einer Customer Success Unit, also quasi der Advokat des Kunden bei uns im Haus. Unser Ziel ist es, den Kunden erfolgreich machen, also müssen wir uns die Frage stellen, was der Kunde dafür genau benötigt.

Und: Wir haben wieder einige offene Stellen – auch im Vertrieb – und möchten gerne auch 2022 mit frischen Kräften weiter kontinuierlich wachsen.


Das Interview führte
Angela Bünger / Redaktion FKTG

Bildquelle: Riedel Communications